Tozeur Studioreise vom 30.10.99 bis 6.11.99. Eine Reise, die
mein Mann Georg zusammen mit meiner Tochter Bianca ganz bewusst in diese traumhafte Gegend planten. Ein bisschen mit dem Hintergedanken auf Kara Ben
Nemsi`s Spuren zu sein.
Tozeur ist eine nahezu perfekte Symbiose von Tradition und
Moderne, von althergebrachten Leben und den Veränderungen, die der in den 90er Jahren massiv einsetzende Tourismus mit sich gebracht hat. Tozeur
liegt im Südwesten Tunesiens umgeben von einer Kette von Oasen der den Mittelpunkt unser Reise bildet.
Die Gastfreundschaft der Tunesier wurde uns gleich am ersten
Reisetag zu teil. Bei einem Fußmarsch in die übrigens traumhafte Medina, wurden wir von einem echten Tuaregg auf seine Kutsche eingeladen. Skeptisch
waren wir alle ein wenig. Doch das strahlen in den Augen des Kutscher`s namens Joseff, ließ uns bald besänftigen. Diese Menschen hier haben noch
dieses herzliche in den Augen, das man bei uns im Westen so sehr vermisst. Ich glaube sogar wenn einem so ein Tunesier akzeptiert, öffnet er auch
seine privaten Pforten. Wir wurden von unserem Kutscher mit zu sich nach Hause genommen. Zwar etwas verunsichert wurden wir zu einem herrlichen
Mittagsmahl eingeladen. Mit Stolz zeigte man uns die Wohn- und Schlafräume und konnte spüren wie zufrieden diese Menschen hier in dieser Einfachheit
leben. Am Boden sitzend nahmen wir so unser Mittagsmahl aus einer Schüssel ein. Dies war ein Gefühl von Verbundenheit und
Völkerzusammengehörigkeit. Nur so könnte man spüren wie gastfreundlich diese Menschen sind. Man stelle sich dies als Beispiel bei uns für einen
Taxifahrer vor.
Auch die Fahrt in die Oase mit der Kutsche führte uns in ein Paradies. Fröhlich zirpende Vögel im Geäst der Orangen und Granatapfelbäume,
riesige Dattelplantagen, Jasimduft, Hennapflanzen so weit das Auge reicht. Mir kam in den Sinn so könnte das Paradies aussehen. Das Grün von
riesigen Palmenhainen und Oasengärten. Dahinter ebene Wüstenflächen soweit das Auge reicht. Unsere Augen lernten ganz schnell diese einzelnen
Details zu erfassen.
Der Reisetermin im November war ideal. Wir hatten
Tagestemperaturen von 30 - 33 Grad Celsius. Badetemperatur am Pool, den wir ausgiebig nutzten war zwischen 23 - 25 Grad C.
Am 2. Reisetag planten wir einen Ausflug in das nahe gelegene Nefta. Wie Tozeur ruht Nefta auf römischen Fundamenten und lebt von Datteln seiner
Oase. Nefta ist die letzte tunesische Siedlung vor der algerischen Grenze. Hier wollte ich mir Datteln in dem netten kleinen Ort kaufen und ich bin
mir heute sicher, dass diese die besten von allen waren. Ganz bekannt ist hier auch der Sandrosenmarkt bei Nefta. Aus Salz kristallisierte Blüten,
die sich aus Salz und Sand bilden. Beliebtes Urlaubssouvenier für Touristen. Danach ging es weiter in die Wüste. Wir besuchten die Hollywoodkulisse,
wo vor kurzem der Film Star Wars gedreht wurde. Danach zur Filmkulisse des Bestsellers der englische Patient. Doch alles übertroffen an diesem Tag
war der traumhafte Sonnenuntergang in der Wüste. Ein Erlebnis, das keiner von unserer Truppe missen wollte.

Der nächste Tag in der Medina Tozeur`s war ebenfalls ein Erlebnis. Erklärt wurde uns alles von unserem Führer Joseff. Wie man sogar an den
Eingangstüren erkennt, ob hier reiche oder arme Leute wohnen. Die Türen aus Palmenholz gefertigt wären für ärmere Leute geschaffen. Die
vermögendere Gesellschaft bevorzugt Aprikosenholz, das beständiger ist. Man erklärt uns an einer Hauswand eine Fatamahand aus ganz kleinen Ziegeln
von Hand gefertigt. Das Haus des Bay`s wird uns ebenfalls gezeigt. Bay ist ein kleiner Herrscher ähnlich dem Bürgermeister bei uns. Interessant für
uns Frauen; in den Cafes in den Strassen sitzen wirklich nur Männer. Mir kommt oft die Frage in den Sinn, wer hier überhaupt arbeitet. Joseff
erklärt uns, dass im März/April hier auch Regenzeit wäre. Man kann es sich kaum vorstellen, denn jetzt im November ist es noch so heiss. Der Gang
durch die Medina durch die engen schattigen Gassen zog mich sehr in seinen Bann. Besonders beeindruckend fand ich die blau bemalten Türen an denen
sich drei Ringe befanden, die sich von der Größe her unterscheiden. Man erklärt uns wieder: der große Ring sei für den männlichen Besucher, der
mittlere für den weiblichen und der kleine für das Kind. Am Klang des Klopfens erkennt man wer draußen sei. Interessante Art sich erkennenzugeben.
Später fuhren wir mit unserem Kutscher zur Ziegelei außerhalb Tozeur`s. Hier wird jeder Ziegel noch handgefertigt. Mühsam doch sehr wertbeständig
diese Arbeit.

Nach einigem Ritt durch die Wüstenlandschaft kamen wir bei
einem Beduinenzelt an. Ein Traum erfüllte sich für uns alle - besonders für mich. Zu erleben wie diese Leute hier mitten in der Wüste in dieser
kargen Landschaft so zufrieden leben. Von weitem entdeckten wir schon drei kleine weiße Wüstenhunde, die hier vor den Zelten lagern und jeden
Besucher schon von weitem ankündigen. Man ist hier in einer anderen Welt verzaubert, durch das Einfache das die Menschen hier zu bieten haben. Mit
einer Begeisterung wurden wir von der Beduinenfrau begrüßt. Die Frau schaute zwar anfangs etwas scheu, doch nach einiger Zeit wurden sie immer
offener. Die Wohnräume in den Zelten werden uns voller Stolz vorgestellt. Es ist nichts besonderes doch alles was man zum Leben braucht. Küche im
Palmenzelt mit etwas Geschirr. Ein riesiges Schlafzelt mit vielen Decken aus Dromedarhaar. Ein kleines Zelt für Schafe und Hühner. Ein eigener Raum
für die Feuerstelle, wo sogleich Brot für uns gebacken wird. Wir sitzen alle am Boden um diese Feuerstelle. Man spürt die Zufriedenheit dieser
Menschen.
Die Männer sind mit dem Dromedaren oft tagelang in der Wüste unterwegs. Ich glaube man könnte viel von diesen Frauen lernen. Mit einer
Geschicklichkeit hantiert diese Beduinenfrau und zaubert aus einem Wasserkrug und etwas Hirsemehl ein wunderbar schmeckendes Fladenbrot, das sie in
einer Pfanne über der Feuerstelle bäckt. Mit großen Augen sitzen wir da und ich glaube jeder bewundert diese selbstverständliche Gastfreundschaft,
die diese Menschen aufbringen. Frischer Pfefferminztee wird uns aus einer silbernen Kanne serviert. Es mundet uns allen und wir sind glücklich, das
wir dies erleben durften. Plötzlich erhebt sich ein Bub von etwa 10 Jahren holt eine Trommel aus dem Zelt und trommelt darauf als hätte er nie etwas
anderes gelernt. Joseff unser Führer erhebt sich und zieht mich hoch. Was ich jetzt erlebe führt mich weit weg in eine andere Welt.
Wir tanzen einen Beduinentanz. Joseff und ich sind
weggetreten in einer anderen Welt . Ich spüre Afrika unter meinen Füßen, spüre diese Wiege, wo wir Menschen alle unseren Ursprung haben. Dieses
Erlebnis hier in der Wüste zu tanzen beschäftigt mich noch lange. Ein Gefühl, das wirklich aus dem Bauch kommt. Noch nie habe ich so deutlich
dieses geerdete Gefühl gespürt, wie hier in der Wüste. Als krönenden Abschluss zeigt uns diese Nomadenfrau noch wie man Dromedarwolle spinnt mit
der Hand. Sieht kinderleicht aus. Aber keine von uns brachte es fertig. Aus dieser Wolle weben sie Teppiche, Zelte, Kleidungsstücke für ihr karges
Leben. Wir werden genauso herzlich verabschiedet. Und denken noch lange über dieses Erlebnis nach. Nach 60 Tagen verlassen diese Nomaden wieder ihr
Lager und ziehen weiter in der Wüste, wo sie ein neues Lager aufbauen.
Den Ausflug nach Douz den wir am 5. Tag unserer Reise
unternehmen, war ebenfalls eine Bereicherung unseres Horizonts. Wir fahren mit zwei Jeeps quer durch die Wüste. Wir haben so viel Spaß, weil im
Wüstensand die Autos ganz schön schwimmen. Etwa zu beschreiben wie eine Achterbahnfahrt. So viel haben wir schon lange nicht mehr gelacht.
In Douz erleben wir Tunesiens malerischen Wochenmarkt am Rande der
Sandwüste. Hier findet man alles was man zum täglichen Leben braucht. Es duftet nach Gewürzen, Gemüse, Seifen usw. Wir können uns kaum satt sehen
von den traumhaften Stoffen. Und vielseitigen Artikeln, wie auch traumhafter handgefertigter Berbersilberschmuck. Hernach treffen wir uns am
Sahararand zum Kameltrecking, das natürlich hier an erster Stelle für den Tourismus ist. Wir lassen uns auf den Wüstenschiffen mit orgineller
Verkleidung am Rand der Sahara chauffieren. Vor uns ein grenzenloses Sandmeer. Die Wüste fesselt uns in ihren Bann. Er Erlebnis, dass ich nicht
missen möchte.
Das Saharafestival von Douz, das ebenfalls zu dieser
Zeit stattfindet erleben wir nachmittags. Ein sehenswertes Specktakel unter großer Beteiligung aller Einwohner von Douz und anderen Oasen.
Vorführungen von Kamelwettrennen, Windhundjagden, Folkloretänze, Scheinkämpfe. Eine traditionelle Hochzeit wurde vorgeführt. Mag das Festival noch
so folkloristisch wirken, so ist es doch auch ein wichtiger Kommunikationsort, für die Menschen, die am Rande und in der Wüste leben.
Der letzte Tag vor unserer Abreise verläuft ruhig und geruhsam in unserem traumhaften Hotel Dar Cherait am Stadtrand von Tozeur. Das Hotel ist ein
Traum aus Tausendundeiner Nacht. Neben dem Hotel gleich angrenzend, Museum, Cafe, Restaurant und Jahrmarkt. Tunesische Geschichte und Geschichten
aufbereitet a la Disneyland erwarten den Besucher dort. Das hervorragend ausgestattete Museum, das einem seriösen Überblick über Leben und
Kunstschaffen der Tunesier bietet. So hatte auch der letzte Tag der Reise auch noch außer Baden im Pool noch seinen kulturellen Aspekt. Alles in
allem hatte diese Studio-Reise für uns alle einen schmalen Grat zwischen Gestern und Morgen geschlagen. Und jeder schwärmt heute noch von dieser
Reise nach Tozeur.
Geschrieben und verfasst von Studioleiterin Marianne Fuchs
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